City2City – eine Busreise in den Norden

City2City – eine Busreise in den Norden

Vorgeplänkel

Da mein Budget für den Besuch des 30. Chaos Communication Congress ohnehin schon etwas spärlich gesät war, wollte ich es dieses Mal – nach HKX und Mitfahrgelegenheit – mit einem dritten Verkehrsmittel versuchen: per Bus. Dafür suchte ich mir im Vorfeld Fernbuslinien aus, die die Strecke Duisburg—Hamburg im Angebot haben und stieß bereits nach kurzer Zeit auf den Anbieter City2City, von dem ich bis dato noch nicht gehört hatte.

Am 20. November buchte ich dann mein Ticket für die Fahrt etwa einen Monat später – am 26. Dezember – und bekam gleich nach Abschluss der Buchung mein Ticket per PDF zugesandt. Die Bezahlung tätigte ich per PayPal, sodass ein reibungsloser und schneller Ablauf möglich war. Laut Website sind außerdem Zahlungen per MasterCard, Maestro und VISA zu tätigen.

Boarding

Am 26. Dezember war es dann soweit: Ich begab mich frühzeitig zum Duisburger Hauptbahnhof, um vorab noch etwas Zeit zu haben und um einen kleinen Pufferbereich für etwaige Verspätungen auf dem Weg zum Duisburger Bahnhof zu haben. Die Fahrt war laut Ticket für 18.15 Uhr angesetzt und ich stand letztlich ab 18.00 Uhr an der angegebenen Haltestelle vor dem Bahnhof, an dem auch andere Fernbuslinien halten. Bis 18.12 Uhr war von dem Bus noch nichts zu sehen, kurz danach kam er aber um die Ecke, um dann gegen 18.15 Uhr das „Boarding“ zu beginnen.

Zwei Männer standen vor der Längsseite des Busses – einer am Eingang, einer am Gepäckfach – und kümmerten sich um die Abfertigung der Gäste.Um Einlass zu erhalten, musste ich dem Mann am Eingang meinen Namen und meine Sitzplatznummer nennen, die er dann mithilfe eines Tablets abglich und mich anschließend zum Gepäckfach längs des Busses weiterschickte. Mein extra ausgedrucktes Ticket wollte niemand sehen, bei Problemen kann es aber sicherlich sinnvoll sein, dennoch den Ausdruck parat zu haben.

Am Gepäckfach wurde ich von dem anderen Mann nach meinem Zielort gefragt, damit er das Gepäck möglichst sinnvoll im Gepäckraum verstauen kann. Der Koffer erhielt – ähnlich wie bei Flügen – einen Aufkleber mit einer fortlaufenden Nummer und ich den passenden Abreißzettel, damit eine Zuordnung am Zielort möglich ist. Anschließend begab ich mich wieder zum Eingang und ging vorbei am „Türsteher“ in den Bus hinein und suchte meinen Platz.

City2City-Gepäckzettel mit Nummer
Gepäckzettel

Platzwahl

Die Nummer vermutete ich erst – wie es in Flugzeugen typisch ist – entlang der über Kopf gelegenen Gepäckfächer, wurde aber schnell von einem weiteren Fahrgast, den ich passierte, darauf hingewiesen, dass diese sich an den ganginneren Armlehnen befinden.

Den Platz konnte ich schon im Voraus bei Buchung des Tickets über die Website aussuchen. Dort war der Bus schematisch abgebildet, so dass ich mir den Platz direkt an der Toilette und am Fenster sichern konnte. Das bescherte mir zum einen den Vorteil, dass ich keine Probleme mit der Rücklehne anderer Fahrgäste vor mir haben würde – es gab nämlich keine, sondern nur die Abgrenzung zur Treppe des zweiten Ein-/Ausgangs – und zum anderen, dass ich schnell auf die Toilette könnte, sofern ich müsste.

Screenshot der Sitzplatzauswahl bei City2City
Sitzplatzauswahlseite

Die Fahrt

Nachdem alle eingestiegen waren, ging es um 18.24 Uhr los: die Türen schlossen sich und das Begrüßungsprogramm wurde gestartet, welches die Reisenden über zwei Monitore und Lautsprecher über die Sicherheitsmaßnahmen informierte und begrüßte. Nachdem dieses Programm durchgelaufen war, spielten die Bildschirme stumm weitere Hinweise ab: Rauch- und Alkoholverbot, Anschnallgurte anlegen, es wurde mit der großen Beinfreiheit und verstellbaren Sitzen sowie weiteren Reisemöglichkeiten der City2City-Linie geworben.

Den Part mit der Beinfreiheit kann ich ohne weiteres bestätigten. An meinem Platz direkt am Ausgang hatte ich mit 1,83m ausreichend Platz und auch die Sitze fühlen sich auf Anhieb recht bequem an. Nach kurzer Suche konnte ich direkt an der Wand unter dem Fenster eine Steckdose finden – womit die Reisegesellschaft ja auch wirbt – und damit mein Laptop, auf dem ich diesen Beitrag weitgehend vorgeschrieben habe, weiterhin gefüllt halten.

Vom versprochenen WLAN bekam ich leider die Fahrt über nichts mit. Die Anzeige an allen Geräten zeigte – außer in Ballungsgebieten mit vielen Privathaushalten – keine Netzwerke, sondern nur gähnende Leere an. Ich war nicht darauf angewiesen, dass eine Internetverbindung vorhanden sein würde und hätte es nur als nettes Feature erachtet, von daher gesehen war ich nicht allzu enttäuscht, dass ich keine Verbindung aufbauen konnte. Und für den „Notfall“ hatte ich schließlich immer noch mein eigenes Handy parat.

Die Fahrt verlief soweit angenehm. Plärrende Kleinkinder kann die Busgesellschaft leider nicht verbieten, deswegen musste ich über Kopfhörer leise Klaviermusik laufen lassen, um mich überhaupt auf mein Buch konzentrieren zu können. Was allerdings, wenn ich mich recht entsinne, verboten wurde waren (warme?) Speisen und Getränke, woran sich leider auch nicht alle Fahrgäste hielten. Bei einem Halt in Bremen stiegen einige Fahrgäste zur Zigarettenpause aus, während sich andere im nahe gelegenen McDonald’s etwas eindeckten und dann im Bus für entsprechende Geruchskulisse sorgten.

Bildschirme und Lautsprecher liefen glücklicherweise meist nur kurz nach den wenigen Haltestellen des Busses und wurden dazwischen meist ausgeschaltet. Da ich zwar einen sehr guten Platz hatte, aber dadurch auch direkt vor einem der Bildschirme saß, war ich darüber ganz froh, da dieser doch recht hell strahlte und mich teilweise doch etwas nervte.

Angenehm gegenüber vielen Bussen im öffentlichen Nahverkehr fiel mir die Verwendung der Klimaanlage auf. Endlich mal keine 30°C, bei denen ich selbst im T-Shirt einzugehen beginne, sondern eine angenehme Temperatur. Genaue Werte kann ich nicht nennen, ich fand es allerdings weder zu kalt, noch zu warm.

Pünktlichkeit

Ich habe nicht darauf geachtet, ob der Bus bei den Zwischenhalten pünktlich ankam oder abfuhr, daher kann ich nur von Abfahrt und Ankunft sprechen. Die Abfahrt habe ich weiter oben schon angesprochen und zur Ankunft ist nur zu sagen, dass wir eine knappe halbe Stunde zu früh am ZOB in Hamburg ankamen. Die Ankunft war laut Website für 23.50 Uhr angesetzt, tatsächlich kamen wir aber schon um 23.18 Uhr zum Stehen und ich konnte mich schon um 23.22 Uhr mit Gepäck im Schlepptau auf den Weg zum schräg gegenüberliegenden Hamburger Hauptbahnhof machen.

Hamburg Binnenalster bei Nacht

Fazit

Insgesamt kann ich von meiner (bisher einzigen) Erfahrung eine Fahrt per City2City empfehlen. Natürlich hatte ich durch den geringen Preis von gerade einmal 8€ für die Fahrt einen besonderen Kostenvorteil gegenüber Bahn (DB oder HKX), Mitfahrzentrale (Mitfahrgelegenheit.de, Flinc, BlaBlaCar) und Eigenanfahrt per PKW, allerdings gelten diese 8€ natürlich nicht immer. Die üblichen Preise pendeln sich für mich zu den meisten Abfahrtszeiten wohl bei knapp 20€ ein, ein zehnprozentiger Rabatt für Studenten ist vorhanden.

Was die Fahrtzeit angeht ist die Anreise per Bus den anderen drei Varianten (je nach Pausenlänge) natürlich deutlich unterlegen: In den meisten Fällen ist die Anreise in knapp 3,5 Stunden erledigt, wohingegen der Bus in meinem Fall knapp fünf Stunden benötigte.

Die Möglichkeit, ständig zur Toilette gehen zu können, ist angenehm, aber auch z. B. bei Anreise per Bahn möglich. Die Toilette war – wie erwartet – nicht allzu geräumig, aber für mich ausreichend. Einen hygienischen Marmortempel sollte hier allerdings niemand erwarten. Sie war nicht versifft, aber eben auch nicht komplett sauber.

Sollte ich in Zukunft noch mal weiter weg reisen wollen, werde ich City2City vermutlich auch als Option mit einschließen, da meine Erfahrung in der letzten Woche insgesamt zufriedenstellend war.

4 Replies to “City2City – eine Busreise in den Norden”

  1. Bisher war ich leidenschaftlicher Autofahrer. Ich wohne mittlerweile aber in Berlin und brauche kein Auto mehr, habs also verkauft. Irgendwann in den nächsten Wochen muss ich allerdings wieder in den Süden, Familie besuchen, und so bin ich nun am Abwägen… ehrlich gesagt, hab ich mir Bus fahren immer als nicht so angenehm vorgestellt, dein Bericht entkräftet dieses Negativbild jedenfalls ein wenig. Vielleicht habe ich noch im Hinterkopf, dass mir auf Klassenfahrten mit dem Bus immer schlecht geworden ist. Jedenfalls bin ich zuvor über diesen Bericht einer jungen Fahrerin und Mitfahrerin gestoßen. Man bezahlt sicherlich eine Kleinigkeit mehr, aber die persönlichere Athmosphäre wiegt das wieder auf, wie ich finde. Wenn ich allerdings als Frau allein wäre, würde ich eher den Bus wählen. Und wenn man zeitlich flexibel ist, bleibt für lange Reisen noch die Möglichkeit über l’tur und Bahn für 26€ quer durchs Land zu reisen, wenn man eben ein bis zwei Tage vor der Reise erst bucht. Davon hat mir mein Nachbar letztens erzählt.

    mfg Jürgen

  2. Da scheinst Du außergewöhnlich gute Erfahrungen gemacht zu haben.
    Ich bin nicht selbst gereist, habe aber meine Mutter abholen dürfen.
    Sie ist mehrmals mit city2city von dortmund nach hamburg gefahren. Verspätungen von bis zu 5 Stunden erschweren die Tagesplanung schon enorm. Über die Verspätung gab es am Dortmunder Busbahnhof Null Information. Auch die Servicenummer war nach 19:00 nicht mehr erreichbar. Fehlendes Papier auf der Toilette wurde ignoriert. Das versprochene WLAN funktionierte nie.
    Dafür gab es Strom für das Smartphone.
    Da der Preis unschlagbar ist und die Fahrer nichts für Stau können, empfehle ich die Busreise trotzdem.

  3. Klasse Artikel. Hab auch schon überlegt mit sowas nächstes Jahr(jetzt dieses Jahr 2014 😉 ) zur Musikmesse zu fahren. Da aber mein nächster Musikhändler eine eigene Busfahrt anbot (39€ für Ticket und Fahrt) hatte es sich erledigt. Sowas wird aber in den nächsten Jahren eine ernsthafte Alternative gegenüber Bahn usw. werden.

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