Sternenhimmelphotos I — Vorbereitungen

Sternenhimmelphotos I — Vorbereitungen

Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der digitalen Photographie, aber erst dieses Jahr kam die Astrophotographie – oder genauer: die Astrolandschaftsphotographie – dazu. Über eine lokale Facebookgruppe kam es dazu, dass ich mich im Februar zum ersten Mal an diese Spielart wagte. Kurz vorm Treffen und der Ausfahrt an einen halbwegs dunklen Ort in erträglicher Entfernung habe ich mir auf dem Eilweg noch fix ein paar Informationen angelesen, damit ich wenigstens halbwegs vorbereitet bin. Allerdings ist es wie mit vielen neu entdeckten Dingen: Das Internet ist voll mit Informationen und eine schnelle Zusammenfassung ist schwierig zu finden. 

Astrophoto über befahrener Straße im Rheinland
An einem Ort mit etwas mehr Lichtverschmutzung entstanden | 16mm @ f/4, 20 Sekunden, ISO 1250

In den folgenden Wochen und Monaten habe ich dann immer mal wieder einzelne Ergebnisse in verschiedenen sozialen Medien gepostet und wurde gefragt, welche Kameraeinstellungen ich verwendet habe und wie ich das ganze überhaupt angehe. Daher möchte ich an dieser Stelle ein wenig erzählen und erste Anreize zur weiteren Recherche bieten. Ich werde hauptsächlich auf das Aufnehmen punktförmiger Sterne eingehen und ein wenig etwas zu Star Trails erzählen – Zeitrafferaufnahmen (Time Lapse) lasse ich außen vor, da ich damit bislang noch keine Erfahrungen gesammelt habe.

Was ihr benötigt

1. Eine Kamera, an der ihr die Belichtung vollständig manuell einstellen könnt

Der wichtigste und wahrscheinlich auch selbstverständlichste Teil. Wie geschrieben, wird der „gefürchtete“ M-Modus benötigt – also Verschlusszeit, Blendenöffnung und ISO-Wert müssen komplett von euch eingestellt werden können. Des Weiteren kann es sinnvoll sein, eine Kamera mit möglichst großem Sensor zu verwenden – hiermit meine ich die tatsächlichen physischen Ausmaße, nicht die Megapixelzahl. Bei gleichbleibender Megapixelzahl sind größere Sensoren tendenziell weniger/später anfällig für hohes Rauschen bei sehr hohen ISO-Werten, weswegen „Vollformat“/Kleinbildformatsensoren sich unter Umständen besser für diese Disziplin eignen als APS-C-Sensoren oder gar Micro-Four-Thirds-Sensoren. Letztlich ist es aber mit allen möglich, Bilder vom Nachthimmel anzufertigen. Selbst mit einem Smartphone.

2. Je nach Vorhaben ein möglichst weitwinkliges Objektiv, in jedem Fall aber ein lichtstarkes

Lichtstark bezieht sich hier auf den Blendenwert der größtmöglichen Blendenöffnung; alles ab 2.8 abwärts (zahlenmäßig gesehen) kann als schnell oder lichtstark bezeichnet werden. Häufig erhältliche Blendenwerte sind etwa 2.8, 2.5, 2.2, 2.0, 1.8, 1.4, seltener auch mal 1.2 und 1.0. Dummerweise steigt mit größer werdender Blende (kleiner werdender Zahl) meist auch der Preis der Optiken in einem Verhältnis, das mit dem Sprung der Blendenöffnung nicht mehr allzu viel zu tun hat. Auch mit kleineren Öffnungen als 2.8 – zum Beispiel 4.0, 4.5 oder 5.6 – könnt ihr gute Ergebnisse erzielen, es wird nur unter Umständen schwieriger.

Sternenhimmel über den Totempfählen im Duisburger Landschaftspark Nord
Mitten im Duisburger Landschaftspark Nord | 16mm @ f/4, 30 Sekunden, ISO 6400

Die Lichtstärke des Objektivs bestimmt, wie viel Licht ihr mit der maximal möglichen Belichtungszeit bei annehmbarem ISO-Wert hereinlassen könnt. Je kleiner der Blendenwert (zahlenmäßig gesehen), desto größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt ein. Kleines hypothetisches Beispiel: Ihr verwendet ein Objektiv mit Maximalblende 5.6 und müsst 20 Sekunden lang belichten und ISO 12’800 verwenden, um ein halbwegs „richtig“ belichtetes Bild vom Sternenhimmel zu bekommen. Eine Blendenstufe höher – also von 5.6 auf 4.0 – bekommt ihr schon doppelt so viel Licht durchs Objektiv, könnt also die ISO-Zahl halbieren, damit ihr am Ende ein genauso belichtetes Bild erhaltet. So wäre es also bei Blende 4 schon möglich, auf ISO 6400 herunterzugehen und bei Blende 2.8 ist es sogar nur noch ISO 3200. Je nach Kamerasensor kann das eine bedeutende Abnahme des Bildrauschens bedeuten. Daher gilt, wenn es nach Lichtmenge geht: So weitwinklig und offenblendig wie möglich.

Der vom Objektiv eingefangene Bildwinkel bestimmt nicht nur, wie viel letztlich aufs Bild passt, sondern auch, wie lang ihr belichten könnt: Je schmaler euer Bildausschnitt wird, desto mehr werdet ihr Probleme mit der Erdrotation bekommen, weswegen ihr deshalb auch nur noch umso kürzer belichten könnt, wenn ihr noch punktförmige Sterne festhalten wollt. Umgekehrt eben andersrum: Je weitwinkliger, desto länger könnt ihr belichten. Ob ein sehr weitwinkliger Bildausschnitt allerdings zu eurem Vorhaben passt, müsst ihr selbst entscheiden.

Engerer Bildausschnitt, mitten in Duisburg | 50mm @ f/2.2, 13 Sekunden, ISO 400

Für Empfehlungen habe ich zu wenig Erfahrungen gemacht, zudem benutze ich nur ein Kamerasystem – eine DSLR von Canon. Wenn ihr des Englischen mächtig seid, findet ihr auf LonelySpeck eine gute Ressource mit viel Tiefgang in die Materie. Wenn dort von Rokinon die Rede ist, könnt ihr in Deutschland stattdessen nach Walimex Pro oder Samyang suchen – bis auf den aufgelaserten Namen sind die Objektive baugleich.

3. Ein stabiles Stativ, das die Kamera auch bei etwas Wind einige Sekunden (bis zu 40) lang still halten kann

Besonders, wenn ein Stativ bisher nicht zu eurem Equipment gehört oder ihr es bislang eher als lästiges Trumm betrachtet habt, das euch mehr im Weg steht als alles andere, solltet ihr euren Frieden damit schließen – lange Belichtungen von einer halben bis zu 40 Sekunden – oder gar mehrere Minuten bis Stunden lang für Startrails – könnt ihr sicher nicht mehrverwacklungsfrei von Hand halten. Sollte euer Stativ nicht allzu stabil sein, stellt sicher, dass es nur so weit ausgefahren wird wie dringend nötig. Besonders bei dünnen Stativbeinen wird das Stativ umso stabiler, je weniger es ausgefahren ist. Falls ein Haken an der Mittelsäule vorhanden ist, könnt ihr das Stativ eventuell mit einem Rucksack oder kleinen Gewichten stabilisieren.
Was den Stativkopf angeht, funktioniert prinzipiell jeder gut. Hauptsache, ihr könnt ihn (im Dunkeln) vernünftig bedienen. Für mich war ein Kugelkopf der Auserwählte, genauso gut können aber Getriebeneiger oder Drei-Wege-Neiger funktionieren.

4. Geduld und etwas runtergeschraubte Erwartungen

Ihr werdet womöglich lang am selben Ort verweilen, insbesondere dann, wenn ihr nicht extra fürs Sternenshooting zu einem Ort gefahren seid, sondern zum Beispiel bereits seit der goldenen Stunde vorm Sonnenuntergang an einer Stelle verweilt. Neben Geduld können auch ein heißes Getränk oder eine Sitzgelegenheit sinnvoll sein, die Klamotten sollten auch den Gegebenheiten angepasst sein.

Die Erwartungen erwähne ich, weil ich das schon an mir selbst beobachtet habe: Das erste Photo wird nicht gleich der große Wurf sein – auch wenn das passieren kann. Ich selbst war durch Photos bei 500px und Instagram schon mehrmals an einem Punkt, an dem ich mich selbst einer „Diät“ der Plattformen unterworfen habe, weil ich sonst gar nicht mehr photographiert hätte; zu viele gute Photos und bei allen immer nur die besten Ergebnisse. Kein Scheitern zu sehen, keine fehlgeschlagenen Versuche, keine Zwischenschritte oder Ausgangsbilder vor umfassender Bearbeitung.

Ich bin selbst noch nicht annähernd an dem Punkt, an dem ich gern wäre, ich mag aber die Richtung, in die das ganze geht und freue mich auch jetzt schon, nach so relativ kurzer Zeit und wenigen Versuchen schon die Ergebnisse zu erzielen, die ich besonders in letzter Zeit erzielen konnte. Dieser Post zeigt nur ein paar Photos der Anfänge, ein paar Milchstraßenbeispiele wird es dann im nächsten geben.

5. Eine Taschen- oder Stirnlampe, idealerweise mit Rotlichtfunktion

Tut euch – und anderen in eurer Umgebung – den Gefallen und verwendet eine Rotlichtlampe. Damit ist sowohl gewährleistet, dass ihr euch nicht selbst ständig die Gewöhnung an die Dunkelheit wieder völlig zunichte macht – dafür sorgt das Kameradisplay ohnehin schon gut genug. Außerdem geht ihr damit anderen nicht auf den Keks, indem ihr ständig indirekt mit gleißend hellem Licht mitten in der Nacht in deren Belichtung hineinleuchtet. Ich habe mit der Tikka+ von Petzl bislang draußen sehr gute Erfahrungen gemacht, jede andere Lampe mit Rotlicht oder draufsteckbarem Filter tut es aber genauso.

Das Abkleben der Indikatorleuchte an eurer Kamera kann auch ein sinnvoller Schritt sein. Zumindest bei meiner Kamera ist selbst diese kleine rote LED ordentlich hell und stört mich oder andere Photographen direkt hinter mir gern mal.

6. Ein (Kabel-)Fernauslöser kann nicht schaden

Bei Star-Trails (je nach Technik) oder Zeitrafferaufnahmen ist dieses Gerät oder ein Intervalometer ein Muss, für punktförmige Sternaufnahmen ein nettes Gimmick, das aber nicht unbedingt benötigt wird. Dann sollte die Kamera aber zumindest über einen Selbstauslöser verfügen, damit die Kamera sich nach dem Drücken auf den Auslöseknopf von der Erschütterung erholen und anschließend möglichst unbewegt belichten kann.

7. Volle Akkus und leere Speicherkarten

Bei spiegellosen Kameras kennt ihr euren Akkuverbrauch durch das dauerhaft eingeschaltete Display eh schon, aber auch bei Spiegelreflexkameras verhält sich die Akkuladung anders, da ihr in diesem Fall vermutlich dauerhaft den LiveView eingeschaltet haben werdet oder zumindest bereits geschossene Photos noch häufiger prüfen werdet als ohnehin schon. Damit ihr also nicht plötzlich am hinterletzten Ort in der Dunkelheit hockt und nicht weitermachen könnt: Zuvor Akku(s) aufladen und Speicherkarten leeren oder genügend mitnehmen! 

8. Eine sternenklare Nacht, idealerweise mondfrei

Der erste Part ist leider schwierig im Voraus zu planen, daher gucke ich mir meist erstmal potentielle Neumondtermine im Jahr an und schaue dann erst 2-3 Tage vorher über verschiedene Wetter-Apps und Wolkenradare sowie durch einen Blick gen Himmel, wie die Lage ist und ob es sich lohnen könnte.

Der Mond sollte entweder noch nicht auf- oder schon untergegangen sein oder, idealerweise, als Neumond am Himmel stehen. Damit vermeidet ihr, dass dieser doch ziemlich helle Himmelskörper die schönen Sterne überstrahlt.

9. Zusätzliche Helferlein

Es gibt einige Apps und Webseiten, die bei der Ausführung helfen können. Am Computer mag ich Stellarium gern, damit ich schon daheim sehen kann, was mich an einem ausgewählten Tag erwartet. Für genauere Planung benutze ich dann die PhotoPills-App (bisher nur unter iOS erhältlich, Android ist geplant Auch eine Android-Version von PhotoPills gibt es nun), es gibt aber z. B. auch The Photographer’s Ephemeris (TPE).

Screenshot des Mond-Moduls der PhotoPills iOS App
Mondphasenplaner der PhotoPills-App

Besonders PhotoPills mag ich mit seinem eingebauten AR-Nightview sehr gern. Normalerweise nutze ich Augmented Reality nie, da ich noch keine wirklich Anwendungsfälle gefunden habe, die mein Leben irgendwie bereichern würden, hier ist es aber sehr hilfreich: Handykamera gen Himmel richten und ich kann sehen, wo sich der Milchstraßenkern wann befinden wird oder gerade auch schon befindet. Eine feine Sache!

Screenshot des Planer-Moduls der PhotoPills iOS App
Planer mit Ansicht der Milchstraße in der PhotoPills-App

Daneben verfügt die App aber auch über einen Mondphasenplaner und allerhand Rechner, über die ihr z. B. feststellen könnt, wie lang ihr mit eurem Equipment belichten könnt, um punktförmige Sterne zu erhalten. Oder eine Karte, auf der ihr sehen könnt, wie die Lichtverhältnisse an einem von euch ausgewählten Ort sein werden, inklusive einer Anzeige, wo sich die Milchstraße befinden wird.

10. Einen möglichst dunklen Ort

Für die Auswahl des Orts hat sich die LightPollutionMap als sehr hilfreich erwiesen. Für einen möglichst sternenreichen Himmel solltet ihr euch an einen Ort mit so wenig Lichtverschmutzung wie möglich begeben. Besonders in Nordrhein-Westfalen und dort insbesondere im Rheinland und Ruhrgebiet ist das besonders schwierig und es ist erstmal nötig, ein wenig rauszufahren, um überhaupt eine Chance auf ein paar mehr Sterne zu erhalten. Je weiter ihr von hellen Städten entfernt seid, desto geringer ist dann auch die Gefahr, dass ihr später am Horizont auf euren Bildern „Lichtglocken“ seht. Mitten im Schwarzwald, in den Schweizer Alpen oder den Dolomiten konnte ich schon sehr gute Ergebnisse erzielen, weil es dort bedeutend dunkler ist als mit Köln und Düsseldorf im Nacken.


Damit der Blogpost nicht zu lang wird, war’s das für heute. Im nächsten Beitrag geht es um das tatsächliche Belichten und den Bildausschnitt.

One Reply to “Sternenhimmelphotos I — Vorbereitungen”

  1. Was ist denn mit den Bildern in Kapitel 2 passiert?
    Ist da das Banding des Sensors so sehr verstärkt worden, daß es lila Wolken macht? Die Bilder sind irgendwie für die Tonne – die im Teil 2 des Blogs sind gelungen.

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