Rad am Ring 2015

Rad am Ring 2015

Anfang Juni trudelte im firmeninternen Mailverteiler eine Nachricht ein, dass für das 24h Rennen „Rad am Ring“ ein vierter Teilnehmer gesucht werde. Nachdem ich schon öfter mal mit dem Gedanken spielte, beim 24h MTB-Rennen im Duisburger Landschaftspark teilzunehmen, aber immer von den Teilnahmegebühren abgeschreckt war, antwortete ich spontan und schon mit etwas Vorfreude, dass ich gern mitfahren würde. Natürlich gibt es auch hier Teilnahmegebühren, die wurden aber freundlicherweise von der Firma für uns vier übernommen. Im Gegenzug sollten wir bloß im firmeninternen Blog einen Bericht schreiben und ein paar Photos dafür machen – perfekt!

Da ich mich nie so richtig für Formel-1 oder sonstigen Rennsport interessiert habe, wusste ich zwar, dass es den Nürburgring gibt, dass er sich in der Eifel befindet und konnte die Streckenform, die auf so einigen Autos in Form eines Aufklebers prangt auch schon länger direkt zuordnen, das war es dann aber auch so ungefähr. Weder war mir klar, was für Strapazen ich in Form von zu überwindenden Höhenmetern auf mich nehmen würde, noch, welches Wetter mich erwarten würde.

Den Wagen hatte ich bereits am Donnerstagabend größtenteils gepackt – Zelt, Klamotten, Isomatte, Schlafsack, Kamera, Werkzeug, sonstigen Krempel – und am Freitagmorgen musste ich bloß noch das Rad auf den Träger schnallen und konnte los. Erstmal allerdings nicht direkt zum Ring, sondern zur Arbeit. Gegen halb vier wollte ich dann von Dortmund aus abhauen und Richtung Eifel aufbrechen. Schon nach wenigen Kilometern machte mir allerdings eine Dortmunderin einen Strich durch die Rechnung und fand es wohl irgendwie mal ganz spannend, mir – auf einer Vorfahrtsstraße fahrend – von der Seite kommend in den Wagen zu fahren. Eine halbe Stunde, zwanzig Photos, Datenaustausch und allerhand Gezitter später ging es dann endlich weiter. Ich war immer noch ziemlich aufgeregt. Zwar hinterließ ihr Wagen nur einen kleineren Lackschaden und eventuell eine kleine Delle, aber wenn so ein fast anderthalb Tonnen Mercedes einem in die Fahrerseite fährt, während man selbst mit fünfzig unterwegs ist, ist das schon nicht so der größte Spaß.

Die weitere Fahrt verlief dann allerdings zum Glück völlig unproblematisch. Nach Leverkusen leitete mich das Navi über diverse Landstraßen und so fuhr ich den Großteil der Zeit völlig allein über sich durch die Landschaft schlängelnde Straßen mit zahlreichen wundervollen Kurven und Spitzkehren und erfreute mich des Anblicks, mit dem mich die Umgebung in Empfang nahm.

Die Unterkunft steht
Die Unterkunft steht

Gegen 19 Uhr traf ich dann am Nürburgring ein, nahm von einem Teamkollegen den Passierschien (nicht A38 …) entgegen und fuhr am Fahrsicherheitszentrum vorbei über einen Teil der Rennstrecke zu unserem Streifen Grün, den wir uns im Vorfeld ausgesucht hatten. Den Wagen entladen und das Zelt aufgestellt ging es dann später noch auf eine Erkundungstour, bei der wir uns das Fahrerlager und die Angebote der Sponsoren und irgendwie am Geschehen teilnehmenden Firmen ansahen und uns auch die für Freitag vergünstigt angebotene Portion Nudeln einverleibten.

Beleuchtungsmast im Mittelpunkt, dahinter blauer Himmel mit hellen WolkenAls wir uns dorthin begaben, konnte noch keiner ahnen, was das Wetter später noch mit den Anwesenden vorhaben würde … Das Nudelessen und der Weg zurück verliefen noch trocken. Als wir aber dann später, als der vierte Teamkollege, der mit dem Rad anreiste, auch angekommen war, noch für das kostenlose Bier aufbrachen, ging es schon los. Starke Sturmböen und variierend starke Regenschauer ließen mich, der ich ohne Jacke losgegangen war, ziemlich nass dastehen.

Das Wetter zog sich dann die ganze Zeit so weiter und ich kam kaum dazu, einzuschlafen. Gedanken, die durch meinen Kopf rasten gepaart mit den am Zelt zerrenden Sturmböen wollten wohl nicht, dass ich vor dem Rennen noch etwas Ruhe finden kann …

Von Regentropfen besäumte Zeltstangen und sichtbar nasses Außenzelt
Bis Sonntagmittag hatte das Zelt nicht mal eine Chance, zu trocknen

Der seit Anfang der Woche immer wieder verfolgte Wetterbericht wurde Tag für Tag schlechter und so kam es auch, dass wir am Samstag größtenteils auch weiterhin von der Freitagabend schon beginnenden Pampe verfolgt wurden. Dementsprechend wenig Glück hatten dann auch die Läufer, die sich auf den Weg machten, um in variierenden Längen von 5km über 10km bis 24,4km zu laufen. Die letzte Strecke entspricht dann einmal der Umrundung der Rennstrecke, die wir dann später auch mit dem Rad fuhren. Begleitet wurden die Läufer dabei von mehrfachen heftigen Schauern. Einige schafften es dennoch – oder gerade deswegen? – in knapp anderthalb Stunden ins Ziel. Was für Irre … Wahnsinn!

Nürburgring-Lauf
Nürburgring-Lauf

Die immer mal wieder kurz auftauchenden regenfreien Phasen nach dem Lauf nutzten wir im Team, um die Streckenführung im Bereich des Fahrerlagers auszukundschaften und merkten schon dabei, dass die Windböen es ordentlich in sich haben und gern mal für einen Versatz von 2-3m zur Seite hin beim Fahren ausmachen können – und wir waren in Höchstlagen nur mit 50km/h unterwegs!

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Obgleich nervig war es daher auch nur verständlich, dass die Veranstalter das Rennen erst von kurz nach eins auf vier und später gar auf acht Uhr am Abend verschoben, um die Teilnehmer zumindest von diesem Aspekt her sicher zu wissen. Die wirklich starken Sturmböen und der Regen nahmen schon deutlich eher ab, daher wagten wir zu viert den Versuch, die Strecke einmal komplett abzufahren, damit wir sie zumindest schon mal vorm Start einmal alle im Hellen gesehen haben. So spät wie der Start nun stattfand bedeutete das nämlich, dass mindestens zwei, wenn nicht sogar drei im Team mindestens im Halbdunkel ihre erste gewertete Runde fahren müssten.

Wie ich schon weiter oben schrieb: Ich hatte ja keine Ahnung. Ich kannte zwar das Höhenprofil der Strecke und dachte mir, dass es anstrengend werden würde, aber dass der Streckenabschnitt »Hohe Acht« so anstrengend sein würde, war mir vorher nicht klar. Laut Wikipediaeintrag hatten wir gegen bis zu 18% Steigung anzukämpfen, die sich vor allem auf den letzten Metern vorm Verpflegungsstand auf der Hohen Acht bemerkbar machten. Auf meiner ersten Proberunde fing ich schon bei deutlich weniger Steigung das ganze Unterfangen zu hinterfragen an und rief mir immer wieder den aufgeschnappten Satz »Wenn du den Verpflegungsstand noch nicht siehst, hast du das schlimmste auch noch nicht hinter dir« ins Bewusstsein und fragte mich, wie es denn jetzt noch anstrengender werden sollte – die Hohe Acht wusste die Antwort.

Mir ist noch immer nicht klar, wie einige es schaffen, in konstant relativ hohem Tempo an den langsam den Berg hochkriechenden sonstigen Teilnehmern vorbeizupreschen. Ob es an besserer Übersetzung oder einfach potenteren Beinen liegt? Ich kann es nicht sagen. Sollte ich das Spektakel allerdings noch mal mitmachen, werde ich wohl eine Kassette mit etwas mehr Raum nach oben montieren. Meine doch recht kompakte Rennrad-Straßenkassette ließ im ersten Gang noch etwas zu wünschen übrig – hier habe ich oft mein Mountainbike mit seinen 22×34 im ersten Gang vermisst. Gar keine Probleme mit der Steigung hatten die gleichzeitig auf der Strecke befindlichen E-Bike-Fahrer, die – zum Hass vieler Mitfahrer – völlig relaxt den Berg hochfuhren, so als handle es sich um eine völlig gerade Strecke.

Die Verschiebung auf acht Uhr funktionierte dann letztlich doch ziemlich gut. Der Wind wurde immer weniger, der Regen hörte ganz auf und so konnten wir bis zum Ende am Sonntagmittag unsere Runden drehen.

Die Nachtfahrt zerrte bei um die 5°C etwas an meiner Schmerzgrenze, da ich mit kurzer Radhose und über dem Trikot nur einer nicht mal Wind blockenden Sweatjacke gefahren bin … ideale Bedingungen gehen anders! Irgendwie habe ich es aber dennoch geschafft, mich nicht nachhaltig zu erkälten und es blieb bei einer während der Fahrt laufenden Nase.

Was an der Nachtfahrt besonders schön war, waren allerdings die Anstiege. Da alle mit Licht fuhren und besonders in der Nacht die meisten doch eher gemächlich bergan unterwegs waren, verteilte sich das gesamte Feld auf eine lange Linie aus roten Lichtern. Neben dem Geräusch von auf Ritzeln rollenden Ketten und relativ gleichmäßiger Atmung im unmittelbaren Umkreis war wenig zu hören und die Lichterkette entlang der Strecke erinnerte mich etwas an eine Prozession. Die paar Momente in der Nacht hatten schon etwas. Ich wollte nicht anhalten, um ein Bild davon zu machen und hätte den Moment wahrscheinlich eh nicht vernünftig festhalten können, also muss es wohl bei eurer Vorstellung bleiben.

Die vom Gefühl und der Geschwindigkeit her besten zwei Runden, die mir – wie ich erst am späten Abend bemerkte – einen Sonnenbrand bescherten waren die letzten beiden, die ich am späten Morgen und um die Mittagszeit rum am Sonntag fuhr. Die Sonne war herrlich, ich konnte nur mit Trikot und ohne Jacke fahren und die Temperatur war genau richtig, um auf dem Weg nach oben nicht einzugehen und auf dem Weg zurück nach unten wieder angenehmen Fahrtwind zu haben. Die letzte Runde durfte im Team gefahren werden, wo vorher nur immer einer einzeln auf der Strecke sein durfte. Einer der Teamkollegen und ich sprachen uns vor Antritt der Runde ab: »Machen wir jetzt aber eher langsam, oder? Wir haben ja eh Ewigkeiten Zeit, bis das Rennen beendet ist«. Natürlich kam es anders und statt der geplanten 80 Minuten, die wir die Strecke „langsam“ entlangrollen wollten, kamen wir mit der von den letzten Runden bekannten knappen Stunde ins Ziel. Ordentlich ausgepowert, aber glücklich.

Letztlich schaffte ich es dann, alle Abschnitte mit hoher Steigung sechsmalig mit dem Rad zu erklimmen – wobei: stimmt nicht ganz. Einmal in der Nacht verließen mich nach nur einer Stunde Schlaf meine Kräfte und ich schob die letzten Meter, stopfte am Verpflegungsstand allerhand Zeugs in mich rein und rollte dann weiter.

Laut runtastic habe ich am Samstag und Sonntag zusammen eine Distanz von etwa 154,5km hinter mich gebracht, dabei 3210hm erklommen und knapp 4600kcal umgewandelt. Ich saß dafür etwa sechsdreiviertel Stunden auf dem Rad. Die Höchstgeschwindigkeit lag laut GPS bei um die 80km/h, könnte aber auch etwas höher gewesen sein.

In unserem Viererteam sind wir letztlich auf Platz 357 gelandet und haben in knapp 17:09 Stunden 15 Runden hinter uns gebracht. Dafür, dass unsere Zielsetzung war, einfach ins Ziel zu kommen, ist die Platzierung bei über 600 Teilnehmern im Bereich Viererteams doch mehr als akzeptabel.

Insgesamt gefiel mir die Veranstaltung sehr gut. Bis auf den etwas blöden Fall, dass die Veranstalterseite einen Großteil der Zeit wegen eines Fehlers nicht erreichbar war, schien die Organisation des Events gut zu funktionieren. Es gab außerdem erstaunlich wenig Unfälle; in Anbetracht der hohen Geschwindigkeiten und Zahl derer, die gleichzeitig auf der Strecke waren, hätte ich da mehr erwartet und bin positiv überrascht.

Zum Abschluss hier noch das Streckenprofil einer der sechs Runden, die ich gefahren bin:

volle Distanz: 26.05 km
Gesamtanstieg: 565 m
Gesamtzeit: 01:02:11
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2 Replies to “Rad am Ring 2015”

  1. Ein beeindruckender Bericht. Ich wusste nicht dass die Strecke so steil ist. Nächstes Jahr mit Dreifachkettenblatt. Fehlt nur noch die Angabe wie viele Caches du unterwegs gehoben hast. 🙂

    1. Keinen einzigen, erstaunlicherweise. Ich hatte zwischendrin drüber nachgedacht, zumindest in den Pausen mal auf die Suche zu gehen – es hätte bestimmt einige gegeben! –, habe das dann aber doch fallen gelassen.

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