Tag 1 – Trelleborg—Svalöv

Tag 1 – Trelleborg—Svalöv

Komfort hat seinen Preis. Und wie es der Zufall so möchte, liegt er im Fall der Fährüberfahrt exakt bei dem einer Schlafkabine.Durch die Unübersichtlichkeit des Schiffes mit seinen verworrenen Gängen verwirrt hatte ich mich gestern in der Lounge niedergelassen und erst später den Raum mit deutlich besser zum Schlafen geeigneten Sitzen gefunden, als er schon belegt war. So versuchte ich es anfangs kurz im Sitzen, dann schnell im Liegen. Auf dem Boden. Es war hart, ungemütlich und der längste Schlaf dauerte wohl etwa eine Stunde. Aber ich will nicht klagen, ist es doch ein Los, das ich selbst gewählt hatte.

Fürs nächste Mal würde ich wohl vielleicht die Isomatte mit nach oben nehmen, scheint es doch kein Problem zu sein, dass Mitfahrer auf dem Boden übernachten. Selbst im Essensbereich neben der Cafeteria liegen einige.

Ursprünglich wollte ich das Frühstücksangebot auf der Fähre nutzen, entschied mich dann aber nach kurzer Sichtung dagegen – die Auswahl war nicht sonderlich groß und das relativ wenige Vorhandene überzeugt mich nicht genügend, um 99SEK dafür ausgeben zu wollen. Vielleicht muss ich mich erst noch an einige Preise gewöhnen, aber dieser Morgen ist nicht der Beginn dieser Gewöhnung.

Also beginne ich den Morgen mit Resten der Pizza vom Vorabend. Zwiebeln am Morgen, was kann schon schief gehen?

Danach verbleiben mir noch etwa 50 Minuten bis zur geplanten Ankunft der Fähre, die ich zum Herumlaufen durch die Gänge nutze. Mit geschultem Auge die Wände scannend fällt mir auf, dass Steckdosen eher spärlich gesät und wenn dann hoch an der Wand platziert sind, vermutlich für Staubsauger gedacht. Neben dem bordeigenen Kino, dessen Außenwand zeitgemäß Plakate von Herr der Ringe I, Men In Black, The Green Mile und „Berättelsen om Askungen“ zieren, befindet sich allerdings ein hundeleerer Hunderaum. Gedacht wohl für Halter mit Hund, doch die Futter- und Wassernäpfe sind leer, ebenso wie der Raum. Das kommt mir allerdings entgegen, denn hier befinden sich drei Steckdosen knapp über Knöchelhöhe, die ich noch mal nutzen kann, um alle Akkus vollzuladen. Nicht zwingend nötig, aber komfortabel.

Hätte ich eher von diesem Raum gewusst, wäre mein Schlaf wohl deutlich ruhiger ausgefallen. Zumindest davon ausgehend, dass die ganze Zeit auch niemand mit Hund hereinkam. Die Sitze im Raum sind sehr bequem und weit zurücklehnbar und auch das Licht kann gedimmt werden – mit Schlafmaske am Rad statt am Mann ein wichtiger Faktor. »Hinterher …« und so.

Pünktlich um sechs Uhr erreichen wir dann den Hafen Trelleborgs, einer Stadt im Süden Schwedens, die vom südlichsten Punkt des Landes nur wenige Kilometer entfernt westlich liegt. Von hier startet meine Reise.

Mein Rad habe ich auf der Fähre direkt am Eingang parken können, wodurch ich auch als erster das Schiff verlassen konnte. Bei den Unmengen LKW und PKW sehr dankenswert.

Direkt nach Verlassen der Fähre ging es durch eine Grenze, vor der drei schwedische Polizistinnen standen. Die Formalitäten beschränken sich auf ein kurzes Zeigen meines Ausweises und dann kann ich auch schon passieren und meinen Weg starten. Um Trelleborg nicht völlig links liegen zu lassen, mache ich wenigstens einen kleinen Schlenker durch die Stadt, bei dem ich zwei schöne Parks und einige pittoreske Häuser sehe. Nur Trelleborgs wegen würde ich den Weg nicht auf mich nehmen, aber zum einfach dran vorbeifahren wäre es auch zu schade gewesen.

Meine Tour startet an einem Samstag vor sieben Uhr, sodass alles noch ziemlich verschlafen ist und ich die ersten Kilometer lang kaum Autos oder überhaupt Menschen sehe. Der Wind ist auf meiner Seite – der hinteren, zum Glück –, sodass ich sehr effizient vorankomme und spielend mit 25-30 km/h die Landschaften durchschreiten kann. Immer wieder halte ich für das eine oder andere Photo an und sehe mir die Gegend genauer an.

Von Häusern und Straßen abgesehen könnte einiges auch genauso gut Niedersachsen sein. Feld-Wald-Wiesen-Skåne. Nur ohne Wald. Aber es gibt auch viele verschiedene Bäume und Vögel zu sehen, die zu benennen ich nicht imstande bin; weniger, weil sie so exotisch sind als vielmehr, weil mich bislang andere Dinge mehr interessierten.

Bei scheuen Blicken auf Briefkasten entlang der Straße treffe ich immer wieder auf sehr klischeeig wirkende Nachnamen. Nilsson, Holgersson, Lundgren. Und auch die Häuser haben Ähnlichkeit mit denen aus meiner Vorstellung für diese Region bzw. das Land im Allgemeinen. Viel farbiges Holz – wahlweise in gelb oder fallunrot –, darunter oft Stein.

Je später es wird, desto mehr Menschen, besonders Radfahrer, kommen mir entgegen. Jede kleine Begegnung wird durch einen kleinen Akt der Verständigung abgerundet. Ein kurzes Nicken als universelles Symbol abseits der Sprachbarrieren. Eine schöne Sache!

Irgendwann komme ich dann auch in Malmö an. Es ist noch vor elf Uhr und ich habe noch den halben Tag vor mir, aber bereits 43km geschafft, ohne das Gefühl, groß etwas verpasst zu haben. In einem Seven-Eleven hole ich das Frühstück nach, das ich seit Kilometer von meinem Magen eingefordert höre. Ich darf mein Rad mit in das kleine Geschäft schieben, sodass ich in aller Ruhe meine zwei belegten Brötchen und den Cappuccino genießen kann, ohne ständig aufgeschreckt nach draußen gucken zu müssen.

Die zuvor mithilfe von BRouter geplante Strecke umgeht Malmö für meinen Geschmack zu sehr, deshalb fahre ich ohne konkreten Plan ein wenig im Kreis und sehe abermals hübsche Fleckchen. Parks, Gebäude, Menschen. Hier hat alles eine gewisse Schönheit inne.

Besonders die Radwege begeistern mich: „wie geleckt“, sehr sinnvoll durch die Stadt geleitet und viel frequentiert. Radfahrer sind, wie es mir auch bei meinem Besuch in Kopenhagen vor einiger Zeit aufgefallen war, bestens in das Gesamtverkehrskonzept integriert und wirken nicht immer wieder wie Fremdkörper.

Auch die Randgebiete von Malmö gefallen mir und ein Strand ein paar Kilometer nördlich ermöglicht einen schönen Blick auf die Skyline der Stadt und die Brücke, die Kopenhagen und Malmö verbindet. Durch den Dunst wirkt das Ganze allerdings recht gespenstisch.

Kaum aus der Stadt und den äußeren Randbezirken raus, ändert sich das Straßen- und Stadtbild massiv. Plötzlich nur noch Dörfer, die meist aus wenigen Häusern und einer Kirche bestehen und überall Felder. Bestellte Felder, grasbedeckte Felder, neu gesäte Felder. Felder. Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich schwierig, denn ich möchte wild campen und das schwedische Jedermannsrecht anwenden, allerdings nicht völlig ausgesetzt oder auf Feldern. Aus den anfangs geplanten 70-80km wurden dann ganz schnell 103km.

Letztlich fand ich dann aber auf einer kleinen Straße direkt parallel zu meiner Route einen größeren Parkplatz, der laut Beschilderung wohl für LKW gedacht ist. Bevor ich mich einfach so breit mache, frage ich noch gerade an der Straße stehende Anwohner – kein Problem. Eine halbe Stunde später steht das Zelt und davor der Kocher und ich schließe den ersten Tag, der durch die vielen Einblicke endlos wirkt, ab. Die Luft ist kühl und etwas feucht, sanft sehr ein Wind über mein Zelt.

Wie ich schon bei Twitter schrieb, werde ich hier wohl doch eher wenige bis keine Bilder posten, da mir das zu friemlig ist. Die Bilder lassen sich aber auf Instagram unter dem Namen „PattaFeuFeu“ finden.

Ich habe die Aufzeichnung erst nach einer kurzen Geocachingrunde in Trelleborg gestartet, daher sind es ein paar Kilometer weniger als ich auf dem Tacho stehen hatte.

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