Tag 12 – Edsbyn—Hudiksvall N

Tag 12 – Edsbyn—Hudiksvall N

Das Wetter hat sich gebessert und über Nacht passend dazu auch meine Laune. Vielen Dank für die Worte der Aufmunterung, die von Lesern des letzten Eintrags an mich herangetragen wurden! Die Sonne scheint, die Vögel sind schon einige Zeit vor mir wach und auch ich werde mich so langsam aus dem Zelt schälen.

Ich weiß nicht oft, was ich geträumt habe. Um so ärgerlicher ist es dann immer, wenn ausgerechnet die schlechten Träume bis in den Morgen reichen. Diesmal handelte er davon, dass ich in Alta am Flughafen bin und mir erst beim Aufruf des Boardingbeginns auffällt, dass mein Rad und meine Taschen weder verpackt, noch aufgegeben sind. Hoffentlich kommt es dann in Wirklichkeit anders!

Gestern habe ich auf dem Weg zur Ostküste sehr kurz vorm Kern Edsbyns Halt gemacht, da dort Supermärkte zu finden sind. Besonders in den Abschnitten zwischen größeren Ortschaften muss ich ab jetzt ein wenig planen, wann und wo ich einkaufen kann, um nicht hungernd zu versacken.

Um kurz vor Acht, Minuten bevor die Läden öffnen, stehe ich vorm ICA im Ort, dessen elektronische Anzeige neben der Uhrzeit auch 6°C verkündet. 14€ ärmer, aber Schokolade, Mittag- und Abendessen sowie den obligatorischen Joghurtdrink reicher setze ich meine Fahrt fort.

Einige Häuser hier haben wirklich eine ganz und gar phantastische Lage! #AnsKap #Sverige #Sweden #Water #Mirror

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Nach Abbau des Zeltes war es mir noch zu kalt zum Frühstücken, daher fahre ich erstmal ein paar Kilometer, bevor ich zur ersten längeren Rast ansetze. Nach einem Anstieg mache ich Halt an der Spitze eines der vielen Hügel in dieser Region, die immer wieder für ein Auf und Ab entlang des Weges sorgen. Mit Blick in ein Waldstück und den Geruch leicht feuchter Erde in der Nase hole ich fürs erste Ma(h)l heute den Kocher aus der Tasche. Havregryn hat mich zwar geschmacklich in Jönköping bei meinem Gastgeber nicht allzu sehr überzeugt, mich aber einige Kilometer weit gebracht, also breche ich heute die Packung erstmalig an und gebe 1dl Havregryn und 2,5dl Wasser sowie ein bisschen Salz in den Topf. Nachdem alles etwas erhitzt ist, drücke ich nach Belieben allerlei Honig in den Topf und das Ergebnis ist am Ende sogar erträglich.

Viele Bäume und Seen. Ein täglicher Anblick, der mich aber dennoch immer wieder erfreut. #AnsKap #Sweden #Sverige

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Gestärkt setze ich die Fahrt fort und der Weg meint es heute besonders gut mit mir. Bis auf wenige kurze Ausnahmen verläuft meine gesamte Route auf aspjaltierten Straßen und ich habe entweder gar keinen oder leichten Rückenwind, gelegentlich dreht er ein wenig.

Entlang des Weges stoße ich auf einen sehr steilen Abstieg, der meine Geschwindigkeit auf bis zu 60km/h bringt. Mir kommt auf einsamer Straße ein Kastenwagen entgegen, ich fahre wie immer im rechten Drittel meiner Spur. Der Wagen fährt in keiner geraden Linie. Kurz bevor er mich erreicht, ist der Wagen in der Mitte meiner Spur, ich weiche noch mehr an den Rand meiner eigenen aus, bis der vom Handy abgelenkte Fahrer seinen Fehler selbst merkt und rabiat an den Rand seiner eigentlichen Spur lenkt. Welche Nachricht er wohl schrieb, die wichtiger gewesen sein könnte als die Unversehrtheit anderer Verkehrsteilnehmer?

Mittagessen mit Blick aufs Wasser. #AnsKap #Sverige #Sweden #Trangia

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Meine Mittagspause verbringe ich in Arbrå mit Blick auf den Ljusnan, neben mir sind eine Kirche und ein Friedhof. Nachdem ich mir dort Suppe aufgekocht habe, wollte ich zunächst wie bisher meine Wasserflaschen am Wasserhahn des Friedhofs auffüllen, dort kommt jedoch nur eine milchig weiße Brühe raus, sodass ich nur den Topf dort spüle. In unmittelbarer Nähe befindet sich jedoch auch eine Toilette, in deren Waschbecken ich den Topf noch mal klar ausspülen und alle Wasserbehälter füllen kann.

Erstmal sammeln. Für schlechte Zeiten. #AnsKap #Sverige #Sweden

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Nach einiger Fahrt merke ich, warum meine Merinoklamotten besser als mein eines heute morgen angezogenes Synthetikshirt sind. Durch einige Anstiege schwitzend kühlt mich die Luft stark ab und ich fröstle. Am Waldrand umgezogen geht es mir schnell besser, da auch die direkt feuchte Wolle mich bedeutend besser wärmen kann.

Schwedisches Landleben #AnsKap #sverige #Sweden

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Ich mache einiges an Strecke, denn die Bedingungen sind fast ideal. Irgendwo jenseits der 100km für heute halte ich an einer Tankstelle, um noch einmal eine Toilette zu besuchen und auch meine Flaschen für die Nacht und den kommenden Tag zu füllen. Als ich rausgehe, blickt mich ein Mann an, ich grüße, er fragt, ob ich eine längere Tour mache. In meinem Kopf antworte ich: »Nein nein, ich fahre immer mit so viel Gepäck zur Tanke, um etwas zu trinken zu holen!«, tatsächlich sage ich dann aber, dass ich von Trelleborg zum Nordkap fahre und dass heute mein 12. Tag sei. Seine Antwort: »Oh, dann bist du sicher Deutscher [das Gespräch verlief auf Englisch], da gab es schon einige Verrückte, die mit dem Rad dorthin fahren!« Ob er in letzter Zeit meint oder generell, erfahre ich leider nicht und hoffe einfach auf eventuelle baldige Gesellschaft für ein paar Kilometer.

Grün, grün, grün. Wo du auch hinsiehst. #AnsKap #sverige #Sweden

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Um 17.30 sage ich mir: Um 18 Uhr hast du spätestens einen Zeltplatz. Um 18 Uhr wird daraus 18.15, dann 18.20, dann 18.30. Nach 120,4km auf dem Tacho – der GPS-Track hat etwas weniger – halte ich um 18.30 dann tatsächlich an und baue mein Zelt auf. Ich stelle es mit direktem Blick und in unmittelbarer Nähe zu „meiner“ Straße auf, in der ganzen Zeit des Zeltaufbaus und Abendessens kommt aber kein einziges Auto vorbei … bis ich mich umziehen und fertig machen will. Plötzlich Rush Hour. 15 PKW und LKW in 5 Minuten. Nachdem ich fertig bin: Stille. Niemand. Oh man!

Nachtlageraussicht #AnsKap #Sverige #Sweden #Tent #Zelt #Vaude

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Bisher habe ich auf dem Weg leider noch kein für diese Region typisches Wild gesehen. Rentiere und Elche kenne ich weiterhin nur aus meiner Erinnerung vergangener Schwedenbesuche, denn bislang beschränken sich meine Tiersichtungen hier auf allerhand Vögel,, Kröten, Nattern und Fische. Naja, abwarten.

Für morgen habe ich eine WarmShowers-Zusage eines Gastgebers in der Nähe von Sundsvall, deswegen habe ich heute erst nach so langer Strecke die Tagestour beendet, um morgen eher dort sein und nicht unhöflich direkt schlafen gehen zu können.

2 Replies to “Tag 12 – Edsbyn—Hudiksvall N”

  1. Hallo Patrick, wir freuen uns, dass deine Stimmung wieder besser ist. Besonders freut es uns auch, dass du solch ein tolles Wetter erwischt hast. Ich schließe mich den Worten Thomas an, der Weg ist das Ziel. Verbleibe dort, wo es dir besonders gefällt. Du hast bis jetzt schon für uns eine tolle Leistung vollbracht und uns an deinen schönen Eindrücken teilhaben lassen. Deine Texte mit den dazu passenden Bildern ist einfach toll. Ich freue mich schon darauf, wenn wir zu Haus den Rest der Bilder zu sehen bekommen. So dürfen wir uns nun täglich über deine Berichte und auch den dazugehörigen Bildern freuen. Pass schön auf dich auf. Wir sind alle stolz auf deine bisherige Leistung. Du schaffst das.

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