Tag 3 – Timsfors—Toftaholm

Tag 3 – Timsfors—Toftaholm

In der Nacht höre ich, wie sich etwas schweres durch den Wald bewegt. Er ist zwar stadtnah gelegen, aber doch recht groß, sodass ich kein Tier auf Anhieb ausschließen kann. Vom Klang her würde ich auf irgendetwas in/bis Rehgröße tippen. Bevor ich mein Zelt hier im Wald aufgestellt habe, habe ich im Umkreis von etwa 30m um das Zelt nach Huf- und sonstigen Spuren geschaut, aber nur Schuhabdrücke finden können, sodass ich mich in Sicherheit wog. Letztlich ist ja auch nichts passiert.

Gegen sechs Uhr wache ich auf, weil so langsam die Sonne ihren Weg durchs Geäst zum Zelt findet. Nach einem Schluck aus der Wasserflasche schaue ich aufs Thermometer. Wie vermutet sind es im Zelt gerade einmal drei Grad, von denen ich aber im Schlafsack nichts mitbekomme, bis ich mich hinausbegebe. Das (komplette) Umziehen draußen wird zu einer kalten, dadurch aber umso schnelleren Angelegenheit.

Damit mir niemand im Wald über den Weg läuft, packe ich schnell meine Sachen ein und verschiebe das Frühstück auf später. Eine gute Idee, wie sich später rausstellt, denn nach etwa zehn Kilometern treffe ich auf Strömsnäsbruk, wo der Lagan sich zu einem kleinen See aufstaut. Am Ufer finde ich eine treibende angeleinte Holzplatte, auf der ich dann letztlich auch frühstücke. Das Wasser ist so gut wie still, nur meine gelegentlichen Bewegungen sorgen für minimale Bewegung. Das gegenüberliegende Ufer wird perfekt gespiegelt.

Gesättigt fürs erste geht es weiter. Meine Photos beschränken sich hauptsächlich auf Straßen. Bei Hamneda sehe ich dann ein Schild, das auf einen Elchpark hinweist, sodass ich meine geplante Route etwas verlasse. Letztlich besuche ich den Elchpark nicht, weil mir 80SEK für meine kurze Verweildauer zu viel sind und ich hoffe, später noch welche in freier Wildbahn anzutreffen – allerdings bitte weit weg von meinem Zelt.

Etwas Zeit verbringe ich dort dennoch, denn direkt am Park ist das passend benannte „Café am Park“ gelegen, über dessen Benennung und Bierauswahl (Deutsches Weizenbier) ich mich direkt wundre. Nach anfänglicher Nachfrage auf Englisch stellt sich heraus, dass die zwei Besitzer vor fünf Jahren aus dem Süden Deutschlands hierher nach Schweden gezogen waren und ein Café eröffnet haben. Ich bestelle eine Waffel mit Sahne und Erdbeermarmelade und komme ein wenig mit den beiden ins Gespräch.

Leider habe ich nicht nach Namen gefragt; jedenfalls war „er“ begeistert von meinem Vorhaben und bekam schon Gänsehaut beim Gedanken an die Ländereien, die ich noch durchschreiten werde. Ein abschließendes Photo für Ihre Facebookseite wird gemacht, denn ich bin ihr erster Nordkapradler in diesem Jahr, und dann geht die Reise für mich weiter.

In Kånna treffe ich auf den von @RecumbentTravel genannte alte Bahnstrecke, die jetzt zu einem Fahrradweg geworden ist. Von der Lage her deutlich besser als die Alternativen, der Belag könnte allerdings stellenweise weniger holprig sein. Bei der geringen Nutzung, die ich bisher von anderen mitbekommen habe, ist es aber überhaupt ein Wunder, wie gut die für Radfahrer gebauten Wege oder eingeplanten Straßenteile erhalten sind. Zumindest weitgehend.
Was ich auf dem weiteren Weg vorfinde, ist zwar grundsätzlich meist hübsch, hält mich aber nicht mehr ständig zum Photografieren auf wie die Gegend zuvor.

Da auch die Kirchen in der Region weniger werden – dafür habe ich mehrere Kirchenruinen gesehen –, wird auch meine bisherige Wasserzufuhr schwierig. Ich gehe also dazu über, auf gut Glück Menschen, die vor ihren Häusern stehen, anzusprechen. »Talar du engelska eller tyska?« – »Ein bisschen.« – »Kann ich vielleicht etwas Wasser haben?« (die Flasche hochhebend) – und beim Gehen wieder »Tack och hej då«. Es sind kurze Gespräche, aber die Menschen scheinen freundlich. Bei einer Begegnung werde ich nach meinem Ziel und den Kilometern bis dahin gefragt und ernte erstauntes Kopfschütteln. Aber das ist okay.

Irgendwann entscheide ich mich, wieder einen Geocache zu suchen und schalte die Live-Karte in meiner Kartenapp an, um nicht mal 200m entfernt auf meiner Route einen Punkt zu sehen. Der Cache befindet sich in der Nähe eines Gedenk-/Grabsteins an Clifford Lee Burton, der mit allerhand Kronkorken und Plektren belegt wurde, daneben befinden sich Tische und Bänke zum Pause machen, denn eigentlich ist es ein kleiner Rastplatz entlang der Straße.

Kurz darauf stoße ich auf das Toftaholm Herrgård, einem Hotel direkt am See, das dem Anblick nach nicht in mein Budget passt. Dass 8 Tesla Supercharger auf dem Parkplatz stehen, bestätigt diesen Eindruck ein bisschen.

#AnsKap #Sverige #Sweden

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Unwissend, wo ich übernachten soll, rolle ich danach etwas weiter und finde schnell den E4:ans Campingplatz. Dem Schild an der Rezeption nach ist er noch knapp zwei Wochen lang geschlossen, ein kurzes Telefonat später klärt aber auf, dass gerade dennoch schon mehrere vor Ort sind und ich gern über Nacht bleiben darf. Der Platz ist herrlich am Wasser gelegen und ich baue mein Zelt unweit des Ufers auf, bereite mir Essen zu und mache noch einige Photos. Beim Schreiben eines Blogposts kommt der Besitzer des Platzes um die Ecke und gibt mir noch eine Karte für die Duschräume. Hallelujah! Die erste Dusche nach viel zu vielen Stunden oberflächlicher Katzenwäsche! Er fragt mich nach 50SEK für die Nacht, die ich ihm allerdings nicht geben kann, denn ich habe bislang nur mit Kreditkarte gezahlt. Mit 50 norwegischen Kronen, die ich noch zuhause hatte, konnte er nicht viel anfangen, begnügte sich aber mit einem 5€-Schein, den ich zum Glück noch in der Tasche hatte.

Abendstimmung am See #AnsKap #Sverige #Sweden #Lake

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Während des Sonnenuntergangs laden meine Geräte an einem der Stromanschlüsse für die Wohnwagenplätze und ich schieße noch ein paar Photos. Die Lichtstimmung ist phantastisch. Weiches, hellrotes Licht, das dem See und dem Horizont ein anderes Aussehen verschafft. Voller Eindrücke und Hach-Momente lege ich mich ins Zelt, lese noch ein paar Seiten und schlafe schnell ein.

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